Die drei PPP s ( Pech - Pannen - Probleme)

 

Joscha hat mich auf die Idee gebracht, diese Seiten zu schreiben. Er und Freundin Laura wollen demnächst mit einem selbst ausgebautem Fahrzeug für ein Jahr durch die Welt reisen und er fragt uns Löcher in den Bauch, unter anderem „was kann einem alles Schlimmes passieren?“ Zum Glück gibt es wohl darüber keinen Katalog und ich beantworte ihm auch nicht die Frage, denn da gibt es keine allgemeine Regel, was hülfe es, meist kommt doch alles ganz anders und planbar ist das Unglück nicht - und wie oft wird aus Unglück ein kleines Glück. Und wie verschieden gehen die Menschen mit den PPPs um. Mein persönliches Rezept  - und ich wäre nicht Focusing - Therapeutin/Begleiterin - wenn ich nicht wenigstens ein wenig Gelassenheit und Abstand in die Situationen bringen könnte ( dazu dann noch einmal ausführlicher, oder auf Nachfrage, das beantworte ich gerne).

 

Erster Reisetag: Der Abfluß in der Küche funktioniert nicht ( war wohl zu lange nciht benutzt), da steht erst einmal das Schmutzwasser. Wir löffeln es aus, der Pömpel kommt zum Einsatz, nichts bewegt sich. Sohn Martin hat einen Abflußreiniger,der brodelt und spritzt vor sich hin, plus Einsatz des Pömpels tut sich lange nichts, wir wiederholen die Prozedur, mittlerweile hat mein Wasserkessel weiße Punkte - also Achtung mit dem Zeug, es soll ja immerhin Haar zersetzen - und das macht bei Hautkontakt ein sehr glitschiges Gefühl, zum Glück gibt es bei Martin einen Aussenwasserhahn- wir fahren ab, haben alles möglichst getrocknet, dennoch sieht das Waschbecken total besprenkelt aus, putzen, putzen ,… und dann , oh Wunder nach ca 13 Stunden gibt es plötzlich ein erlösendes Gluckern ….

 

Zweiter Reisetag: nach Dresden lockt eine Tankstelle mit günstigen Dieselpreisen, die Schlangen entsprechend lang, Tankseite zu voll, also Gegenseite und den Ersatztank befüllen, können wir ja gleich rüberpumpen. Doch nach einer Stunde stellen wir fest, dass kein Diesel geflossen ist. Pumpe defekt, Sicherung??? Wir wollen erst einmal unser Abendessen in Görlitz mit Bekannten geniessen, erzählen davon und  schon morgens vorm Aufwachen kommt eine WhatsApp bei uns an, dass man in der MAN Werkstatt um 9Uhr auf uns wartet - nicht selbstverständlich am Samstag - Sven sei Dank (so lernt man Engel kennen)

Die Jungs stellen fest, dass Pumpe und Sicherung in Odrdnung sind, das Kabel wohl idrgendwo defekt ist, das können sie nicht beheben, aber eine Notlösung wird gefunden und so wird ein Provisorium gebastelt. Uli ist begeistert, denn mit neuem Kabel, Kabelbindern und Überbrückungskabeln an Batterie angeschlossen, lässt sich pumpen - Usbekistan wir können kommen. Kosten: „nein, ist in Ordnung ( da gibt es ein gutes Trinkgeld) heut ist auf unserem Hof Oldtimertreff, kommt doch, da gehört ihr ja auch fast dazu“ - und so sehen wir auch noch Fahrzeuge der Oldtimerparade - … wo wir nun schon so lange in Görlitz sind, können wir auch noch etwas bleiben und den Berzdorfer See geniessen.

 

 

Dritter Reisetag: der Tacho beginnt zu zappeln und stellt sich dann tot - nicht so schlimm, denn das Garmi zeigt ja auch die Geschwindigkeit an …. aber die Gesamtkilometer auf dem Tachostand fehlen auch und zu allem Überdruss streikt der Kilometerzähler auf dem tollen Garmi montana auch - da gibt es wohl eine „Überschlagsrechnung“, kann meine Tabelle einpacken, eine Arbeit weniger.- inzwischen können wir die Montana einstellen, geht doch!!

 

Sonntag, 20.5.

 

Wir sind auf die Fähre nach Georgien aufgefahren, drängen uns mit Rucksack und Taschen an den Eisenbahnwagons vorbei , um den Weg nach oben zum Kajütendeck zu finden. Ich sehe rechts eine Tür, EXIT - ich ruckel, sie öffnet sich, es führen Treppen nach oben, ein Stockwerk, noch eins, keine Tür hier oben läßt sich öffnen, also zurück - doch oh weh, auch diese Tür ist von innen nicht zu öffnen, eine Schließanlage, für die man einen Code braucht sieht sehr marode aus, wir bollern, wir rufen - nichts. Die Schiffsmotoren donnern laut, da wird unser Klopfen nicht zu hören sein - gefangen, eng , schlechte Luft. Während Uli weiter klopft,  läuft in meinem Kopf ein Film ab über Zwei, die sich mit einer Flasche Wein und  ein paar Scheiben trocken Brot,  hier versuchen zwei Tage  zu überleben, sitzend und schlafend auf harten Treppenstufen -  wann wird man uns vermissen und wo auf der großen Fähre suchen? Ich bewege ständig den Türdrücker, was auch aussen zu sehn sein müsste. Und dann die Erlösung: die Tür öffnet sich, Claudia und Reiner  wollen hier auch nach oben. Sie drängen ins Treppenhaus, staunen bestimmt nicht schlecht , als sie uns sehen, mein einziger Gedanke, jetzt bloß die Tür aufhalten und nichts wie raus. Unser Treppenaufgang, bzw. Lift ist ganz hinten am Ende des Ganges, vorbei an allen Wagons. Noch lange  lachen wir über diese Szene, erzählen uns immer wieder von allen möglichen und unmöglichen Rettungsvorstellungen, oder wie wir dort eingeperrt verschmurgeln, und seltsam, dass wir deutschen den gleichen Fehler machten, das war unsere Rettung.

 

 

Sonntag, 17.6.

 

 Wir verlassen Aktau, scharfe Linksabbiegung und der Wasserkessel saust durch den Raum, Stopp - ich geh nach hinten, um ihn richtig zu versorgen, da steht auch schon die Polizei neben uns: Papiere bitte, etc, einer der Polizisten spricht ganz wenig englisch, ich glaube verstanden zu haben, dass hier ein absolutes Halteverbot ist, Uli soll aussteigen und sich das Schild anschauen , das Wort „Straf“ schwebt in der Luft. Na bitte, dann aber mit Protokoll - irgendwie zögern sie ( wohl schon scharf auf ein kleines Trinkgeld) da hol ich dann meine Zaubervisitenkarte von Gelma aus Kasachstan raus und deute an, dass sie bitte dort anrufen sollen wegen Übersetzung. Er fragt, ob wir die kennen, ich: da,da Drusch ( Ja, Freunde) - er gibt mir die Karte zurück, nimmt Haltung an, und legt seine Hand auf die Brust und winkt wir sollten weiterfahren. Uli bedankt sich herzlich und mit einem kleinen Schrecken davon gekommen, geht es weiter.

 

Montag, 18.6.

Uli lüftet unseren Vorraum, da schlägt der Wind die Tür zu und eingeklemmt ist in mehrfacher Lage das Badehandtuch - IKEA 1980, das ist historisch! Nicht zu machen die Tür geht nicht mehr auf, um das Schloß hat sich das Tuch verknüttelt. Ich schneide erst mal alle dicken Nähte draussen ab, dann mit Kreuzschraubendreher das Schloß von innen  abgeschroben, nach vielem Gedrücke und Stück für Stück ziehen wir das Tuch heraus- und plötzlich springt die Tür auf - noch mal gut gegangen, wir sahen schon die Beamten bei der nächsten Zollkontrolle sich durch den Fahrraum nach hinten quetschen.

 

Autopanne

Die Ausfahrt aus Bejneu Richtung Nukus ist brutal, ein einziges Geruckelt und wen wundert es da, dass auch unser Zebra das nicht lustig findet und plötzlich ein hohes Quetsch- und Knarzgeräusch von sich gibt. Wir fahren noch ein Stückchen in der Hoffnung, das sich das Zurechtrücket, dann müssen wir doch halten, jeder fährt ein Stückchen und lauscht draussen, wir sind uns einig: es ist im linken Vorderreifen - vielleicht nur ein Steinchen?? Wenn aber doch was an der Bremse oder Radlager? Zum Glück ist die Stadt noch nahe, wir trauen uns das Stück geräuschvoll zu fahren, uns wird geholfen, die Autowerkstatt zu finden - drei Offiziere fahren mit dem Auto voraus. Der Werkstattmeister macht sich dann auch gleich an die Arbeit - nach 1,5 stunden ist der Schaden behoben - wir wissen immer noch nicht, was es genau war, auf jeden Fall klingt alles gut. Die Rechnung von 25Dollar zahlen wir gerne.

 

26.Juni Buchera

Magendarminfekt mit hohem Fieber - na, eigentlich kein P, passiert auf fast jeder Reise - ich hab mal wieder Salat gegessen, der wohl nicht den Hygienebestimmungen entsprochen hat. Einmal Körperreinigung, einmal ausschlafen und alles wird gut. Eigentlich dumm, da ich mir fest vorgenommen hatte, keine grünen Salate zu essen, aber nach all den Nudel- und Brotspeisen, lachte er mich so an. Viel besser ist da der gekochte Salat,z.B. Auberginen.

 

Donnerstag, 12.7.

 

Etwas Kaltes  trinken zur Büroarbeit, das wäre fein. Fanta ist noch gekühlt , kann  man mit Wasser mischen, so was Süßes trinke ich ja sonst nicht, aber in Ermangelung von Wein .… Ich öffne die Flasche und schneller als ich reagieren kann, habe ich eine Fontäne vom Feinsten vor und über mir, so eine Kleberei, und das Schlimmste, der Applecomputer ist offen. Ich wische, tupfe , eckliges Geklebe. Ab nun knirschen etliche Tasten des PC, ich kann nicht mehr so schnell schreiben - wer weiss mir da einen Rat?? Uli meint Wasser rüber  kippen.

 

Dienstag, 21.8.

Ja, das hat hier ja fast den Anschein, als hätte es gar keine Pannen mehr gegeben. 

Das ist natürlich nicht der Fall, da sind zunächst mal all die Dinge zu nennen, die im Zebra nicht mehr funktionieren: seit dem Pamirhighway fiel die Wasserpumpe aus und damit das fliessende Wasser, angeblich, weil in der Höhe der Druck nicht mehr hoch genug - ich bin ja ein genügsamer Mensch und kann mit dem Einfachen leben, aber als dann Thomas (blauer MAN am Narin Stausee) die Pumpe tiefer legt und sie wieder funktioniert, geniesse ich doch den „ Luxus“. 

Im Waschbecken ist die Dichtung des Abflußschlauches nicht mehr zu verbinden, auch nicht zu reparieren,Teile passen nicht, d.h. waschen in einer Schüssel - auch kein Luxus, aber machbar.

Die Verdunkelungen gehen nach und nach kaputt, denen wurde zu heiß, das Material ist gerissen, Klebeversuche mit Teflon scheitern auch in der Hitze - also lieber Mond, schau ruhig zu oder wir verhängen provisorisch. Mückenschutz ist auch nicht mehr gewährleistet.

Mein schönes blaues Teeglas ( Wein, Schnaps …) aus Chefschuan, Marokko ist im Schrank zerbrochen - normalerweise lege ich die Gläser ja auch in ein Körbchen im Schrank.

 

Autopannen, von ihnen hatte ich auf den Tagebuchseiten geschrieben:

  1. Im Fahrgastraum fällt der gesamte Strom aus. Mit Fernhilfe von Kellers gehen wir auf Fehlersuche, putzen korrodierte Stecker, etc, finden aber erst am nächsten Morgen den eigentlichen Fehler: ein Kontaktstecker an der Batterie hatte sich losgerappelt - und dann hält auch noch ein netter Mann und repariert ganz fix.
  2. Eine Blattfeder ist gebrochen - das hatten wir noch nicht gemerkt, erst neugierige Jungs machen uns drauf aufmerksam. In der nahen Autowerkstatt wird sie geschweißt und hält bis jetzt.

  

Pech kann man auch bei der Wahl der Nachtplätze haben, denn im Hellen sieht manches anders aus oder im Laufe des Abends kann sich so einiges entwickeln:  Stundenlang bellende Hunde sind ein beliebtes Thema. Betrunkene können sehr lästig werden.

Hier am Strand des Kamyslybas Sees hatten wir uns den ruhigen Parkplatz am Ende der „Anlage“ ausgesucht, doch jetzt um 19 Uhr rücken zwei Wagenladungen a10 Personen an  - im Moment spielt die Musik laut und die kopftuchtragenden Frauen legen eine „Sandperformance“ vom Feinsten hin, warum Juchzen sie dabei nur so laut?  Entwicklung des Abendgeschehens offen.

Wir haben ja Ferien, da muss man nicht so viel schlafen, oder kann es tagsüber nachholen.

 

Uli hat gestern/ heute Pech mit dem Essen gehabt ( vielleicht verdorbene Eier, denn sie waren nicht im Kühlschrank) nun musste er erbrechen. Mich hat es diesesmal nicht getroffen, hatte nur wenig davon gegessen.

23. 8. Zu früh gefreut: jetzt liegen wir beide mit Brechdurchfall danieder - schlafen fast einen ganzen Tag

 

 

 

 

Gleitsichtbrillenträger/innen, ihr habt Pech, wenn es richtig heiß ist, mir geht es so und das macht mir dann das Autofahren fast unmöglich: ich beginne zu schwitzen, von der Stirn rinnt der Schweiß gen Nase, vermischt sich mit Hautcreme, die auch immer flüssiger wird, es entsteht eine zweigleisige Spur rechts und links der Nase , auf der nun die Brille nach unten rutschen kann und damit das Sehfeld für die Weitsicht auch verrutscht - vorbei mit scharfem Sehen!

 

 

Grenztheater am 27.8. auf kasachischer Seite ( Ein-und Ausreisestempel kontrollieren!)

Am Schalter der Passskontrolle: der Beamte blättert und blättert in meinem Pass, er findet einfach den Einreisestempel vom 16.8. nicht - und es gibt ihn tatsächlich nicht. Zum Glück habe ich den Migrationszettel beiliegend mit den zwei erforderlichen Stempeln und auch Uli hat ja einen Einreisestempel - eindeutig ein Fehler des Grenzbeamten bei der Einreise in Kasachstan. Aber so einfach scheint das nicht zu sein: Telefonate, Beamte ( werden geweckt) , die Pässe in ein anderes Bürohaus gebracht, wir müssen mit dem Zebra die Schlange verlassen und vor das Bürohaus fahren und dann passiert lange Zeit gar nichts … bis ich keine Geduld mehr habe, per ÜbersetzungsApp noch schnell lerne , was heisst: wie lange dauert es noch?  Als ich damit zum ersten Schalter gehe und unwirrsch frage, dauert es nur noch zwei Minuten bis wir zum Schalter gerufen werden, nochmals Gesichtskontrolle und dann stempelt der Beamte meine Ausreise ( ohne dass da vorher ein Einreisestempel ist), na bitte , geht doch. 

An dieser Stelle kann ich nur alle Reisenden warnen, achtet besonders in Kasachstan auf die Stempel, auch dass ihr zwei Stempel auf dem weissen Migrationszettel habt ( wir haben an jeder Grenze mindestens einen Stempel zu wenig bekommen und das bis auf dieses eine Mal immer gemerkt).

 

Unseren Reisefreunden der Pumaregruppe erging es mit fehlenden Stempeln in Russland allerdings noch viel übler: hier fehlte einem Fahrer der Ausreisestempel von 2016 ( unsere Mongoleireise), damit ist auch das Fahrzeug nicht ausgetragen. H.und R.hatten inzwischen dieses Fahrzeug verkauft und waren jetzt mit einem neuen unterwegs, sie hatten keine Chance nach Russland einzureisen, die Gruppenreise findet ohne sie statt.

 

Januar 2019 - Neue Reise, neue Pannen

Seit Südfrankreich klappert unser Auspuff, Uli kann sich schnell davon überzeugen, er ist abgerissen vom Topf, im Leerlauf klingelt es verrückt - na, das lassen wir erst einmal scheppern, in Marokko wird sich ein Schweisser finden.